Als Ausländer in Korea leben: 10 Dinge, die du vor deinem Umzug vielleicht noch nicht wusstest

Lesedauer: 6 Minuten
Baggage claim at a Korean airport

Ein Umzug nach Südkorea ist aufregend. Egal, ob du als internationaler Student, Sprachschüler oder Berufstätiger kommst – wahrscheinlich hast du schon eine Vorstellung davon, wie das Leben dort aussehen wird. Vielleicht stellst du dir ein gut ausgebautes Verkehrsnetz, leckeres koreanisches Essen und endlose K-Drama-Momente vor.

Auch wenn manche Erwartungen zutreffen, stellen viele Ausländer schnell fest, dass das Leben in Korea sowohl gute als auch schlechte Überraschungen bereithält.

Wenn du dich fragst, wie das Leben als Ausländer in Korea so ist, findest du hier zehn Dinge, die du vor deinem Umzug vielleicht noch nicht wusstest.

Eine Person, die koreanische Won-Scheine und einen Taschenrechner in der Hand hält

1. Versteckte Kosten

Die meisten Menschen kalkulieren Studiengebühren, Miete und Verpflegung schon vor der Ankunft in ihr Budget ein. Doch was viele nicht wissen: Die erste Woche in Korea kann überraschend teuer werden.

Zum Beispiel stellen viele Wohnheime und Goshiwons nur eine einfache Matratze zur Verfügung. Möglicherweise musst du dir gleich nach der Ankunft ein Kissen, eine Bettdecke, Bettwäsche und einen Matratzenschoner kaufen. Ein einfaches Bettwäscheset kann leicht zwischen 80.000 und 150.000 Won kosten (ca. 45 bis 90 Euro).

Und dann gibt es noch etwas, was viele Ausländer scherzhaft (und liebevoll) als “Schwarzes Loch” bezeichnen: Daiso. Man geht in den Laden hinein, um ein oder zwei Dinge zu kaufen, und kommt mit Kleiderbügeln, Hausschuhen, Putzutensilien, Wäschekörben, Verlängerungskabeln, Aufbewahrungsboxen und Küchenartikeln wieder heraus. Es ist nicht ungewöhnlich, in den ersten Tagen dort über 100.000 Won zu lassen (ca. 60 Euro).

Eine weitere Überraschung ist die Müllentsorgung. In Korea gibt es ein strenges Recyclingsystem, und in vielen Stadtteilen müssen die Bewohner spezielle Müllsäcke kaufen – was weitere unerwartete Kosten bedeutet. Je nachdem, wo du wohnst, musst du möglicherweise auch einen Behälter für Lebensmittelabfälle besorgen.

2. Budget vs. Realität

Das Leben in Korea bringt Kosten mit sich, die viele Leute anfangs nicht einkalkulieren.

  • Koreanische Aufenthaltskarte: 30.000 Won (ca. 17 Euro) für den Erstantrag. Für Ersatzkarten fällt eine zusätzliche Gebühr an.
  • Visumsverlängerungen: Wenn dein Studium oder Sprachkurs länger dauert als die ursprüngliche Visumsdauer, kosten Verlängerungen derzeit 60.000 Won (ca. 35 Euro).
  • Staatliche Krankenversicherung (NHIS): Eine obligatorische monatliche Ausgabe, die viele Studenten in ihren ursprünglichen Budgetberechnungen nicht berücksichtigen. Du solltest mit Kosten zwischen 75.000 und 140.000 Won pro Monat rechnen (ca. 40 bis 80 Euro).

Viele internationale Studenten sind besonders von der NHIS überrascht. Selbst zu den ermäßigten Studententarifen ist es eine regelmäßige monatliche Ausgabe, die in jeder Budgetplanung berücksichtigt werden sollte.

3. Schnelllebigkeit

Einer der größten Kulturschocks für viele Ausländer ist das Tempo des Alltags. Leute gehen sehr schnell. Rolltreppen bewegen sich schnell. Lieferungen kommen schnell an. In vielen Ländern ist es normal, mehrere Tage auf ein Paket zu warten. In Korea kommt einem die Lieferung am nächsten Tag oft schon etwas zu langsam vor.

Diese schnelllebige Kultur kann anfangs überwältigend sein. Die Menschen wirken gehetzt, besonders zu den Stoßzeiten. Viele Ausländer wissen diese Effizienz jedoch genauso schnell zu schätzen. Behördengänge, Online-Shopping, Bankdienstleistungen und auch das Verkehrssystem – Alles ist darauf ausgelegt, Zeit zu sparen.

Nach ein paar Monaten wirst du vielleicht sogar feststellen, dass du selbst ungeduldig wirst, wenn die Dienstleistungen bei Reisen in die Heimat langsamer ablaufen.

Eine Person, die einen Einkaufswagen vor einem Getränkeregal in der Hand hält

4. Kulturschock beim Essen

Die meisten Ausländer kommen mit der Erwartung in Korea an, fast nur scharfes Essen zu bekommen. Das stimmt zwar größtenteils, aber die viel größere Überraschung ist, wie unterschiedlich die alltäglichen Geschmacksrichtungen sein können. Süßkartoffeln tauchen an Orten auf, an denen man sie vielleicht nie erwarten würde. Sie werden in Pizzen, Brot, Kaffeegetränken, Desserts und Beilagen verwendet. Mais findet man oft auf Pizzen. Knoblauchbrot kann sogar süß statt herzhaft sein.

Viele Neuankömmlinge sind überrascht von der koreanischen Esskultur, bei der zu den Mahlzeiten oft kostenlose Beilagen (banchan) serviert werden, die von allen am Tisch gemeinsam gegessen werden. Es ist auch üblich, dass Restaurants und Geschäfte kleine kostenlose Extras anbieten, die als „Service“ bezeichnet werden, während Cafés oft Treueprogramme haben, die den täglichen Einkauf noch lohnender machen.

Die Esskultur kann im Vergleich zu manchen Ländern auch sehr gesellig wirken. Allein zu essen wird zwar immer üblicher, aber bestimmte Restaurants bevorzugen nach wie vor eine Gruppendynamik.

Je länger du bleibst, desto mehr werden diese Unterschiede Teil deines Alltags, und viele Ausländer in Korea sehnen sich letztendlich nach den Speisen, die sie anfangs als ungewöhnlich empfanden.

5. Sicherheitsgefühl

Ein unerwarteter positiver Aspekt des Lebens in Südkorea ist das Gefühl der Sicherheit, das viele Ausländer in Korea empfinden.

Spät nachts nach Hause zu gehen, gilt in vielen Stadtvierteln oft als ganz normal. Convenience Stores haben rund um die Uhr geöffnet, und die öffentlichen Verkehrsmittel fahren bis spät in die Nacht. Viele Ausländer sind überrascht, wenn sie zum ersten Mal mitbekommen, dass Leute ihre Laptops, Handys oder Taschen unbeaufsichtigt in Cafés liegen lassen, während sie kurz weggehen.

Natürlich ist gesunder Menschenverstand immer wichtig, aber Koreas relativ niedrige Kriminalitätsrate sorgt für ein Maß an Alltagskomfort, das viele Einwohner zu schätzen wissen.

Für viele internationale Studenten ist die gegebene Sicherheit einer der Gründe, warum sie sich sehr wohl damit fühlen, zum ersten Mal allein und unabhängig zu leben.

6. Freundlichkeit ist allgegenwärtig

Vor dem Umzug nach Korea machen sich manche Ausländer Sorgen darum, dass die Sprachbarriere den Alltag erschweren könnten.

Was die Leute jedoch oft überrascht, ist die Hilfsbereitschaft der Koreaner. Es kann vorkommen, dass dich jemand sogar bis zu deinem Ziel begleitet, anstatt dir nur den Weg zu beschreiben. Restaurantmitarbeiter helfen dir vielleicht sogar dabei, die Speisekarte mithilfe von Übersetzungs-Apps zu verstehen. Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln geben dir Tipps, wo du umsteigen musst. Diese kleinen Momente können in der Eingewöhnungsphase einen großen Unterschied machen.

Auch wenn kulturelle Normen oberflächlich betrachtet manchmal zurückhaltend wirken mögen, entdecken viele Ausländer echte Freundlichkeit, sobald sie in alltäglichen Situationen mit den Menschen in Kontakt kommen.

Lern-App auf dem Handy

7. Jenseits der Sprachbarriere

In Korea zu leben, ohne fortgeschrittene Koreanischkenntnisse zu haben, ist durchaus möglich – erfordert aber eine gewisse Umstellung.

Viele wichtige Apps, Behördenwebseiten und offizielle Dokumente sind nach wie vor stark auf Koreanisch ausgerichtet. Die Einrichtung von Bankkonten, der Besuch im Krankenhaus oder die Erledigung von Einwanderungsformalitäten können dadurch manchmal einschüchternd wirken.

Glücklicherweise entwickeln die meisten Ausländer schnell ihre eigenen Überlebensstrategien. Schau dir zum Beispiel die Apps an, die du in Korea brauchst, um im Alltag besser und einfacher klarzukommen. Übersetzungs-Apps werden dabei zu deinen täglichen Begleitern. Papago ist weit verbreitet. Screenshots werden übersetzt. Gesten erweisen sich zusätzlich als überraschend effektiv. Und grundlegende koreanische Redewendungen werden Stück für Stück Teil deiner alltäglichen Gespräche.

Auch wenn du anfangs kein perfektes Koreanisch brauchst, um zurechtzukommen, hilft dir das Erlernen der Sprache dabei, dich leichter in die koreanische Gesellschaft zu integrieren. Schon das Erlernen einfacher Ausdrücke kann beispielsweise deinen Alltag erheblich erleichtern und dir helfen, engere Beziehungen zu den Menschen um dich herum aufzubauen. Hier sind einige nützliche koreanische Sätze für Lieferdienste, die du vor deiner nächsten Bestellung lernen und griffbereit halten kannst!

8. Alltagskomfort

Wenn es eine Sache gibt, die Ausländer in Korea immer wieder beeindruckt, dann ist es die Bequemlichkeit. Brauchst du Lebensmittel? Lieferservice. Zahnpasta vergessen? Auf zum Convenience Store. Lust auf Abendessen um Mitternacht? Wieder Lieferservice. Viele Dinge, die anderswo einen erheblichen Aufwand erfordern, lassen sich hier mit wenig Aufwand auf dem Smartphone erledigen.

Lieferservice-Apps haben eine riesige Auswahl. Convenience Stores bieten Mahlzeiten, Snacks, Paketdienste und die Bezahlung von Rechnungen an. Der öffentliche Nahverkehr ist effizient und flächendeckend verfügbar.

Dieser Komfort wird oft zu einem der wichtigsten Gründe, warum Ausländer Korea vermissen, nachdem sie das Land wieder verlassen haben. Man gewöhnt sich unfassbar schnell daran, alltägliche Probleme innerhalb von Minuten zu lösen.

9. Bargeldloses Leben

Viele Neuankömmlinge kommen mit der Erwartung an, regelmäßig Bargeld mit sich zu führen. Stattdessen stellen sie fest, dass Korea eine der bargeldlosesten Gesellschaften der Welt ist. Kartenzahlungen werden fast überall akzeptiert, darunter in Cafés, Restaurants, Convenience Stores, Taxen und an Automaten. Die Möglichkeiten für mobiles Bezahlen nehmen weiter zu, und viele alltägliche Transaktionen werden digital abgewickelt.

Für Ausländer vereinfacht diese Bequemlichkeit den Alltag erheblich. Sobald du deine Bankangelegenheiten geregelt hast, ist es oft nicht mehr nötig, große Mengen Bargeld mit dir herumzutragen. Der Nachteil ist, dass man bei kleinen Einkäufen sehr leicht den Überblick verliert, wenn das Bezahlen nur ein kurzes Antippen ist.

Menschen, die nachts gemeinsam Schlittschuh laufen

10. Sozialleben und Dating

Beziehungen und soziale Interaktionen können eine weitere mögliche Quelle für einen Kulturschock sein. Viele Ausländer stellen fest, dass die Gruppenkultur in Korea eine größere Rolle spielt, als sie erwartet haben. Freundeskreise, Clubs in der Universität und Treffen mit den Arbeitskollegen prägen oft das soziale Leben.

Auch die Dating-Kultur kann sich anders anfühlen. Konzepte wie Jahrestage als Paar, aufeinander abgestimmte Outfits und häufige Kommunikation sind hier möglicherweise verbreiteter als in anderen Ländern. Gleichzeitig ist jeder Mensch anders, und die Erfahrungen variieren stark je nach Alter, Wohnort und sozialem Umfeld. Der Schlüssel liegt darin, diesen Unterschieden mit Neugier statt mit Vergleichen zu begegnen. Das Verständnis der lokalen sozialen Normen hilft Ausländern oft dabei, stärkere Freundschaften aufzubauen und kulturelle Missverständnisse leichter zu überwinden.

Als Ausländer in Korea zu leben, bringt oft unerwartete Kosten, kulturelle Unterschiede und gelegentliche sprachliche Herausforderungen mit sich. Viele Menschen finden jedoch, dass die Bequemlichkeit, die Sicherheit, die Freundlichkeit und die einzigartigen Erfahrungen die Umstellung lohnenswert machen. Auch wenn die Realität vielleicht von den Erwartungen abweicht, ist diese Reise oft voller unvergesslicher Überraschungen und wertvoller Lektionen fürs Leben.

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